Lungo 1:3 bis 1:4
Die verlängerte Variante — und warum sie einen schlechteren Ruf hat, als sie verdient.

Der Lungo ist die italienische Form der Verlängerung: gleiche Einwaage, gleicher Mahlgrad, mehr Wasser, längere Zeit. Das heißt auch, dass man weiter in den Nachlauf hinein extrahiert — und dort sitzen die bitteren und adstringierenden Verbindungen, die man beim 1:2 bewusst stehen lässt.
Deshalb der Ruf. Er ist bei dunklen Röstungen auch verdient: Was schon bei 36 g vollständig gelöst war, wird bei 72 g nur noch verdünnt und um Bitterstoffe ergänzt.
Bei einer hellen, dichten Bohne kann derselbe Bezug aber das Gegenteil bewirken. Wenn ein Kaffee bei 1:2 noch verschlossen wirkt — sauer, schmal, ohne Mitte —, dann fehlt ihm oft schlicht Wasser. Der längere Bezug öffnet dann genau die Süße, die vorher nicht herauskam.
Parameter
| Einwaage | 18 g |
| Ausbeute | 54–72 g |
| Verhältnis | 1:3 bis 1:4 |
| Zeit | 40–60 s |
| Temperatur | 93 °C |
| Druck / Profil | 9 bar |
| Mühle | EK43, SSP 98 mm HU (High Uniformity) |
| Mahlgrad | wie Standard, ggf. minimal gröber |
| Sieb | IMS 58,5 mm, 18 g |
Abgrenzung: Lungo, Allongé, Americano
Drei lange Getränke, drei verschiedene Dinge.
| Lungo | gleicher Mahlgrad, längere Extraktion, mehr Wasser durch den Puck |
| Allongé | gröberer Mahlgrad, bewusst schnellerer Durchlauf bei langer Ausbeute |
| Americano | fertiger Espresso, nachträglich mit heißem Wasser verdünnt |
Der Allongé ist konzeptionell näher am Turbo Shot als am Lungo. Der Americano verändert die Extraktion überhaupt nicht, sondern nur die Konzentration.
Alle Werte auf dieser Seite beziehen sich auf unser Setup. Grundlagen zu Verhältnis, Mahlgrad, Wasser und TDS: Die Stellschrauben


